Bürgerinitiative RETTET DAS CUX-WATT
Bürgerinitiative RETTET DAS CUX-WATT

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vom 20. Mai 2017

Es besteht die große Gefahr, dass es das Wattenmeer vor Cuxhaven in ein paar Jahren in dieser ursprünglichen Art nicht mehr geben wird. Das ist die Quintessenz unserer intensiven Recherchetätigkeit. Die morphologischen Veränderungen, die bereits heute deutlich sichtbar sind, werden sich in naher Zukunft noch weiter potenzieren. Diese dramatische Entwicklung ist innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten durch Menschenhand verursacht worden und kann nur durch ein schnelles Handeln gestoppt und wieder rückgängig gemacht werden. Hierzu muss am Leitdamm angesetzt werden und an der rücksichtslosen Verklappungspraxis der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter (WSÄ).

 

 

Aktuelle Situation

 

Das Watt verlandet zusehends und erste Pionierpflanzen breiten sich im Watt aus. Das sind die sichtbaren Auswirkungen einer sich stetig zugespitzten Entwicklung, die durch das Wirken des Leitdamms in Kombination mit der Verklappungspraxis der WSÄ verursacht worden sind.

 

Das offen verkündete Ziel des WSA Cuxhaven ist es, aus drei Fahrrinnen („Neuwerker Fahrwasser“ bzw. „Kugelbakefahrwasser“, „Mittelrinne“, „Norderrinne“) eine Hauptfahrrinne („Mittelrinne“) zu machen. Auf diesen Zustand wurde jahrelang hingearbeitet und dieser ist seit kurzem erreicht. Sowohl das „Kugelbakefahrwasser“ als auch aktuell (seit 2014) die „Norderrinne“ sind verlandet. Mit der Verlandung des „Kugelbakefahrwassers“ haben sich auch lebensnotwendige Priele im Döser Watt verabschiedet und noch vorhandene Priele haben sich deutlich abgeflacht und verkleinert. Auch diese werden in absehbarer Zeit ganz verschwinden. Die Priele sind aber unabdingbar für die Entwässerung der Wattflächen. Mit der starken Strömung der Priele werden die eingetragenen Sedimente (Sand und Schlick) wieder in das Fahrwasser zurück befördert.

 

 

Welche Maßnahmen der WSV haben zu einer Erhöhung,Verlandung und Verschlickung der Cuxhavener Wattflächen geführt?

 

Der Bau des Leitdamms hat die Entwicklung eingeleitet. Schon in den Planungsunterlagen aus dem Jahr 1938 ist zu lesen, „dass die Abriegelung des Kugelbakefahrwassers gegen O und NO zu einer schnellen Verlandung führen wird, einmal durch Absetzen der vom Flutstrom mitgeführten Sandmassen, zum anderen durch Abfangen des bei Ebbe vom Watt mitgeführten Geschiebes. Die Verlandung wird vermutlich im Osten beginnen“.

 

Das Kugelbakefahrwasser verlief bis an die Kugelbake heran, innen vom Leitdamm, und hatte noch in den 70er Jahren eine Wassertiefe von 40 Metern. Der Leitdamm hatte bis dahin jedoch noch nicht zu der von der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) gewünschten Verlandung des Kugelbakefahrwassers geführt. Das sollte sich mit dieser Maßnahme schnell ändern: Ende der sechziger Jahre wurde die bis dahin verbliebene Lücke bei der Kugelbake geschlossen. Eine Querströmung konnte nun nicht mehr stattfinden.

Die Sedimente bleiben seitdem großflächig auf dem Döser und Duhner Watt liegen und führen zu dessen stetigen Aufhöhung.

 

Eine in den 70er Jahren durchgeführte Verlängerung des Leitdamms um weitere 3 km hat die Verlandung des Kugelbakefahrwasser und die an ihm angeschlossenen Priele weiter beschleunigt. Das Kugelbakefahrwasser ist im Verlauf der Jahre mehr und mehr zusedimentiert. Die Entwässerung ist stark eingeschränkt und erfolgt heute überwiegend küstenparallel über das im Westen liegende Altoxstedter Tief.

 

Zu dieser Abschnürung des natürlichen Entwässerungssystems gesellen sich noch gigantische Baggermengen, die vor Cuxhaven verklappt werden. So hat das WSA Cuxhaven zwischen 1977 und 1989 rund 2 Mio. Kubikmeter Baggermassen ins Buchtloch gekippt. Das Buchtloch befindet sich auf der Cuxhavener Wattseite, also mitten im Watt, und war die Verbindung der Priele mit dem Kleinschifffahrtsweg über das die Be- und Entwässerung der Priele und der Wattflächen erfolgte.

 

Zusätzlich wurden zwischen 1979 und 1986 direkt (1 km!) vor der Kugelbake rund 3,8 Mio. Kubikmeter Baggermassen verklappt. Nachdem diese Klappstelle erschöpft war, hat man direkt am Leitdamm, 3 km vor der Kugelbake, weiter verklappt. Zwischen 1993 und 2000 waren es 3,3 Mio. Kubikmeter und zwischen 2007 und 2011 weitere 6,8 Mio. Kubikmeter. Auch diese Klappstelle war damit ausgeschöpft. Eine weitere Klappstelle befindet sich am Ende des Leitdamms. Zwischen 2009 und 2011 wurden hier am Neuen Lüchtergrund 8,9 Mio. Kubikmeter verklappt. Es handelt sich hier um die größte Klappstelle mit aktuell jährlich 6,5 Mio. Kubikmeter Baggermassen. Die Klappstelle soll auch für einen Teil des Aushubs bei der demnächst anstehenden Elbvertiefung herhalten. Und dann gibt es noch die Klappstelle vor Scharhörn. Hier wurden zwischen 2008 und 2011 5,8 Mio. Baggermassen versenkt. Und eine weitere Klappstelle befindet sich bei Tonne E3 vor Helgoland. Seit 2005 wird dort Hamburger Baggergut verklappt. Seit letztem Jahr gibt es dort nicht nur eine, sondern gleich 4 Klappstellen. Die Jahresmenge wurde von 1 Mio. Kubikmetern auf 3 Mio. Kubikmeter erhöht.

 

Wir halten fest: Bis 1986 hat das WSA Cuxhaven auf der Cuxhavener Wattseite (mitten im Watt!) verklappt, bis 2011 direkt am Cuxhavener Watt (östlich vom Leitdamm) und seit 2008 werden vor dem Nationalpark Wattenmeer Baggermassen entsorgt.

 

Quellen:

  • Stadt Cuxhaven: Sitzungsvorlage Nr. 100/2002 vom 27. März 2002
  • WSV: Präsentationsfolien zur LK Cuxhaven-Ausschusssitzung/Infoveranstaltung am 13.10.2016
  • BafG+ BAW+ WSV+HPA: Systemstudie II vom 27.03.2014, Anhang 3 Vorgaben zu Baggermengen

 

Das historische Foto zeigt das Döser Watt mit der Wattkante zur Hauptfahrrinne. Der Leitdamm wurde erst später gebaut. Bildrechte: Peter Bussler

Was muss passieren, um das Ökosystem vor dem Kollaps zu bewahren?

 

Als Soforthilfe muss die zuletzt geschlossene Öffnung des Leitdamms bei der Kugelbake wieder hergestellt werden. Mit Öffnung des Leitdamms wird sich innerhalb kürzester Zeit wieder eine tiefe Rinne innen vom Leitdamm bilden, aus der die Priele versorgt werden und sich wieder ausbilden können. Das Kugelbakefahrwasser wird „neu geboren“.

 

Die Klappstellen vor Cuxhaven müssen aufgegeben werden. Insbesondere darf das Wattenmeer vor Cuxhaven nicht als Schlick-Auffangbecken für Hamburger Elbschlick dienen.

 

Die Soforthilfe kollidiert jedoch mit den Zielen der WSV. Diese lauten: Zur Selbsterhaltung des Hauptfahrwassers sind periodische Rinnenverlagerungen zu unterbinden. Die Folge daraus ist die Verlandung des Kugelbakefahrwassers. Das sei das Ziel.

 

Welche Belange haben Vorrang:

Die Schutzrechte des UNESCO Weltnaturerbes Wattenmeer oder die wirtschaftlichen Ziele der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung?

 

Der niedersächsische Teil der Weltnaturerbestätte Wattenmeer unterliegt einem umfassenden Schutz, durch den sichergestellt wird, dass die für die Anerkennung als Weltnaturerbe maßgeblichen Kriterien und die Unversehrtheit des angemeldeten Gebietes auch zukünftig erhalten bleiben.

 

Als Nationalpark genießt das gesamte Gebiet den höchsten Schutzstatus, der nach dem nationalen Naturschutzrecht möglich ist. Seit den siebziger Jahren arbeiten die drei Wattenmeer-Länder Niederlande, Deutschland und Dänemark zusammen, um das Wattenmeer als ein gemeinsames Ökosystem länderübergreifend zu schützen. Das Leitprinzip der Wattenmeerpolitik ist es "so weit wie möglich ein natürliches und sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erreichen, in dem natürliche Prozesse ungestört ablaufen können".

 

Im Wattenmeer findet außerdem die EU-Wasserrahmenrichtlinie Anwendung, die dazu beiträgt, dass dessen guter ökologischer Zustand erhalten bzw. wiederhergestellt wird. Zusätzlich ist das niedersächsische Wattenmeer Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und unterliegt damit auch vollständig den Schutzregelungen nach der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU. Ziel der EU- FFH- Richtlinie ist es, Lebensräume und Arten zu erhalten und ggf. wieder in einen günstigen Erhaltungszustand zu versetzen und vor Eingriffen, die das Gebiet erheblich beeinträchtigen könnten, zu schützen.

 

All diese Schutzziele werden von der WSV ignoriert und missachtet. Die Politik ist nun aufgefordert, Farbe zu bekennen. Wenn sie dem, auch unter internationalem Schutz stehenden, Weltnaturerbe Wattenmeer dem Vorrang einräumt, dann muss dem rücksichtslosem Handeln der WSV endlich Einhalt geboten werden und die notwendigen Maßnahmen zur Soforthilfe ergriffen werden.

Hier finden Sie uns

Bürgerinitiative Rettet das Cux-Watt

Döser Feldweg 195
27476 Cuxhaven

Kontakt

Sprecher: Peter Roland
Telefon: 04721-6947780

email: Peter.Roland@gmx.de

 

Sprecher: Tanja Schlampp (v.i.S.d.P)

Telefon: 04721-39 86 46

mobil: 0177-86 48 396

email: info@rettet-das-cux-watt.de

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

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