Bürgerinitiative RETTET DAS CUX-WATT
Bürgerinitiative RETTET DAS CUX-WATT

Alarmstufe 1: Priele und Rinnen verlanden

Cuxhaven, 27.11.2018

 

Die Priele und Rinnen sind nicht nur "Kinderstube" und wichtiger Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner wie die Nordseegarnelen (Krabben), Aale und zahlreiche Fischarten wie Scholle, Stint und Finte. Die starken Wasserströmungen in den Prielen sorgen für Reinigung, Sauerstoffzufuhr und ein mannigfaltiges Leben im Wattboden. Bei Ebbe bilden die Priele und der Wattboden einen reich gedeckten Tisch für 10 Millionen Zugvögel, die auf ihren langen Flügen zwischen der Arktis und Afrika auf das reichhaltige Nahrungsangebot angewiesen sind. Hunderte Arten von Würmern, Schnecken, Muscheln und Krebsen finden sich im Wattboden. Die Biomasse ist einzigartig und für den Erhalt der Artenvielfalt in der Welt unverzichtbar.

Die Wattkarte aus dem Jahr 2006 zeigt ein weit verzweigtes Prielsystem im Duhner und Neuwerker Watt.
In 2018 sind die Priele Kinderbalje, Roßhaken, Stickersgat und Eitzenbalje nicht mehr vorhanden. Sie sind innerhalb eines Jahrzehnts verlandet. Das Elbe-Neuwerk-Fahrwasser hat sich deutlich zurückgebildet. Die Neuwerker Fahrrinne ist weitgehend verlandet.

Schwebstoffsenke Wattgebiete

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) benennt das Wattgebiet zwischen Cuxhaven und Neuwerk/Scharhörn als Schwebstoffsenke. Regelmäßige Laserscanbefliegungen würden eine deutliche Aufhöhung der Wattgebiete in der Außenelbe zwischen km 710 und km 750 durch Sedimentation von Schwebstoffen belegen. Diese Aufhöhungen befinden sich lt. BfG im Wattrelief unmittelbar in den Parallelzonen zur Elbe-Fahrrinne. Hierzu zählen die drei Bereiche Medemgrund, Cuxhavener Watt mit Neuwerk und Scharhörn und Dithmarscher Watt mit Gelbsand. (Quelle: BfG, Systemstudie I, S. 73)*.

 

Die Verlandung der Neuwerker Fahrrinne hat massiv zugenommen. In diesem Abschnitt herrscht lt. BfG kein Gleichgewicht mehr, die jährliche Sedimentationsmenge beträgt seit den 1990er Jahren über 3 Mio. m3/a. (Stand 2008, BfG, Systemstudie I, S. 79)*.

 

Die Neuwerker Fahrrinne ist lebensnotwendig für das Duhner und Neuwerker Watt. Das Kugelbakefahrwasser, ein kleiner noch in den 70er aktiv genutzter Schifffahrtsweg für die Krabbenfischer, mündete in die Neuwerker Fahrrinne. An ihr waren die Priele des Döser und Duhner Watts angeschlossen. Leider ist das Kugelbakefahrwasser seit ein paar Jahren verlandet und mit ihm der ufernahe Priel Kinderbalje.

 

In den letzten 10 Jahren sind neben der Kinderbalje drei weitere Priele restlos mit Sedimenten aufgefüllt. Das gesamte Prielsystem im Duhner und Neuwerker Watt droht rasant verloren zu gehen. Die gravierenden Veränderungen sind bei einem Vergleich der Wattkarte aus dem Jahr 2006 mit der aktuellen Wattkarte 2018 deutlich erkennbar. Das gesamte Prielsystem verkümmert zunehmend, die tiefe Rinne parallel zur Kugelbake ist mit Sedimenten restlos aufgefüllt. Diese Veränderungen haben nichts zu tun mit den natürlichen Rinnenverlagerungen im Watt. Es handelt sich hier um eine schnell fortschreitende Verlandung, die durch massive Eingriffe in den Naturhaushalt von Menschenhand verursacht wird.

 

* BfG 2008: WSV-Sedimentmanagement Tideelbe – Strategien und Potenziale – eine Systemstudie. Ökologische Auswirkungen der Umlagerung von Wedeler Baggergut, Untersuchung im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes Cuxhaven. Bundesanstalt für Gewässerkunde

vom 20. Mai 2017

In den 70er Jahren existierte im Cuxhavener Watt noch eine Fahrrinne, die bis zur Kugelbake heranreichte. Die "Kugelbakefahrrinne" (die sogenannte 3. Fahrrinne, von der WSV erfolgreich bekämpft) befand sich auf der Innenseite der Wattfläche parallel zum Leitdamm. An ihr waren die Priele angeschlossen, über die das Watt entwässerte. Die Priele sind für das Watt überlebensnotwendig, ohne sie kann das Watt nicht fortbestehen. Die starke Strömung der Priele sorgt dafür, dass die Sedimente (Schlick und Sand) fortgespült werden. Man kann die Priele vergleichen mit einer Pfortader, die dafür sorgt, dass die unerwünschten Stoffe aus dem System transportiert werden.

 

Das Kugelbakefahrwasser (Neuwerker Fahrwasser) verlandete rasant mit Schließung der Lücke des Leitdamms bei der Kugelbake.

 

Unten eine historische Aufnahme von Badegästen in der 300 Meter breiten Kugelbakefahrrinne. Das Kugelbake-Fahrwasser ist inzwischen verlandet. Das Watt ist heute im Jahr 2018 bis zur Leitdammkrone mit Sedimenten aufgefüllt.Bildrechte: Peter Bussler.

Danke an Werner Kerath für die Zurverfügungsstellung der Wattkarte aus dem Jahr 1976 (siehe unten). Das Kugelbakefahrwasser (Neuwerker Fahrwasser) reichte bis an die Kugelbake heran. Die Priele waren noch sehr ausgeprägt und mit der sogenannten 3. Fahrrinne ("Kugelbakefahrwasser" bzw. "Neuwerker Fahrwasser") verbunden.

Seekarte 1988

 

Auf der Seekarte aus dem Jahr 1988 sieht man noch 3 Fahrrinnen: Das „Neuwerker Fahrwasser“ („Kugelbakefahrwasser“), die „Mittelrinne“ (=Hauptfahrrinne) und die „Norderrinne“ („Lüchterloch“). Das Neuwerker Fahrwasser, das parallel zum Leitdamm verläuft, reicht bis 1,8 km vor der Kugelbake heran. Sehr schön ausgebildet ist der Priel „Kinderbalje“ (am Leitdamm kurz vor der Kugelbake) und der sehr große Priel "Stickersgat" ebenfalls im Döser Watt. Ein weiterer großer Priel, die „Eitzenbalje“, verläuft quer vom Duhner über das Döser Watt und sorgt hier für eine Entwässerung in die Neuwerker Fahrwasserrinne.

 

Danke an Rolf Waller für die Zurverfügungstellung der Seekarten.

von uns rot markiert=Neuwerkerfahrrinne und die einzelnen Priele

Seekarte 2016

 

Auf der Seekarte aus dem Jahr 2016 sieht man nur noch 2 (eher 1) Fahrrinne(n): Die „Mittelrinne“ als Hauptfahrwasser und eine im Verschwinden befindliche „Norderrinne“. Die Norderrinne hat sich aufgrund von Sedimentation so stark verflacht, dass sie seit April 2014 für Segler nicht mehr befahrbar ist. Das „Neuwerker Fahrwasser“ („Kugelbakefahrwasser“) hat sich ganz verabschiedet. Ebenso der Priel „Kinderbalje“, der parallel zum Leitdamm bis kurz vor der Kugelbake verlief. Der 1988 noch großflächig vorhandene Priel „Stickersgat“ hat sich extrem verkleinert. Da dieser Priel keine Verbindung mehr zum Fahrwasser hat, wird auch dieser Priel in Kürze komplett verschwunden sein. Der große Duhner Priel „Eitzenbalje“ hat sich ebenfalls stark verkleinert.

Beide Seekarten zum direkten Vergleich gegenüber gestellt:

Zur Deutung der Karten: braun = Wattflächen bzw. Verlandung, hellblau = flache Gewässer, weiß = tiefes Fahrwasser

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